Reittherapeutisches Konzept



  • Therapeutische Grundannahmen
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    Zu Beginn skizziere ich kurz verschiedene Modelle, die meiner therapeutischen Arbeit zu Grunde liegen.

    Menschenbild

    Ich orientiere mich am humanistischen Weltbild und fühle mich dessen Werten verbunden. Die Betrachtung des Menschen in seiner Gesamtheit, die Betonung seiner Würde und die Wertschätzung seines Seins sind elementare Bestandteile meiner Arbeit. Menschen sind grundsätzlich in der Lage Interaktionen zu reflektieren, persönliche Anteile zu erkennen und diese Erkenntnisse für die Entwicklung im Sinne einer Veränderung ihrer Persönlichkeit zu nutzen. An den Fähigkeiten und Interessen der Person anknüpfend wird es durch gezielte Anregung möglich eine konstruktive Zusammenarbeit zu erreichen, die zu einem Arbeitsbündnis führt. Ziel ist es hierbei die Wahrnehmung des Klienten zu erweitern und ihn zu befähigen sich weiter zu entwickeln.

    Neurologische Grundlagen

    Erkenntnisse aus neurobiologischen Forschungen beziehe ich in mein Arbeitskonzept mit ein. In diesem Wissensgebiet wird von der Formbarkeit des Gehirns (neuronale Plastizität) durch Erlebnisse und Erfahrungen des Menschen ausgegangen. In neuronalen Strukturen gespeicherte Erlebnisse bilden Verbindungen, welche die Art und Weise des Denkens, Fühlens und Handelns bestimmen. Durch gezielt hervorgerufene Erlebnisse und Erfahrungen können neue Strukturen etabliert und Handlungsmuster erweitert werden. Dysfunktionale Verhaltensmuster können im Rückgriff auf diese Erweiterungen vernachlässigt und abgebaut werden.

    Bedürfnisse des Menschen

    Voraussetzung für die Gesundheit eines Menschen ist die Befriedigung von bestimmten Bedürfnissen. Nach Klaus Grawe (2005) sind vier Grundbedürfnisse ersichtlich:
    – Kontrolle
    – Bindung
    – Lustgewinn/Unlustvermeidung
    – Selbstwerterhöhung
    Aus der Reflektion, des unter diesen Gesichtspunkten beobachteten Verhaltens, ergeben sich Ansatzpunkte für die Analyse und Erklärung der Symptomatik des Klienten. Diese ist wiederum Basis für die Strategie der Interventionen. Ausgangspunkt ist hierbei, die Annahme, dass sich Symptome bei unzureichender Bedürfnisbefriedigung einstellen, mit dem Ziel ein psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen. In der Therapie soll sowohl die Unterbrechung der Bedürfnisbefriedigung erforscht werden, wie auch die Möglichkeit wieder zu einer funktionalen Bedürfnisbefriedigung zu gelangen. Bei solchen Prozessen ist mit in den systemischen Blick zu nehmen, dass Menschen eng mit ihrer Biographie und ihrem Umfeld in dem sie Leben verbunden sind. Daher ist eine eingehende Anamnese dieser Bereiche unerlässlich. Die obige Darstellung veranschaulicht, dass der Mensch als bio-psycho-soziale Einheit zu betrachten ist.

    Zur Verdeutlichung ist zusammenfassend zu sagen:
    Jede Störung ist ein kreativer Akt des Organismus zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse und demzufolge erst einmal sinnvoll. Therapie kann nur an der Ressourcenebene ansetzen, denn hier liegen die Potenzen des Individuums, von der aus Veränderungen ausgehen können. Unsere Aufgabe als Helfer besteht darin, Bedingungen zu schaffen, dass sich die Selbstheilungskräfte adäquat entfalten können.
    Die in der Therapie erlernten Fähigkeiten sollen in den Alltag übertragen werden, so dass eine größtmögliche Unabhängigkeit des Individuums bei gleichzeitig hoher sozialer Kompetenz erreicht wird, welche eine angemessene Teilhabe an der Gesellschaft gewährleistet. Oberstes Ziel ist es somit die Lebensqualität des Klienten zu verbessern.


  • Das Pferd als Co-Therapeut
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    Das Pferd ist der ideale Co-Therapeut, denn es ist auch als bio-psycho-soziales Wesen zu sehen. Es ähnelt dem Menschen in dem Bedürfnis nach sozialer Nähe und verfügt über einen eigenen Charakter, grenzt sich somit als Individuum ab. Als Fluchttier besitzt das Pferd eine hervorragend ausgebildete Wahrnehmung. Es reagiert sehr sensibel auf Stimmungen, Bewegungen und äußeres Auftreten. Speziell innere Prozesse, wie zum Beispiel Unsicherheit und Angst nimmt das Tier wahr und spiegelt diese direkt und ohne Bewertung wider.

    Durch seine Erscheinung verfügt das Pferd über einen hohen Aufforderungscharakter und motiviert zur Kontaktaufnahme. Auch ist es selber meist am Kontakt interessiert und erleichtert daher erste Hürden zu überwinden. Es verkörpert Schönheit, Stärke, Kraft, Schnelligkeit, aber auch Weichheit, Zartheit, Anmut und Empfindsamkeit. Es bietet unterschiedliche Möglichkeiten für den Klienten sich mit ihm zu identifizieren.

    Das Pferd kennt keine Vorurteile, es kritisiert nicht, es nimmt einen Menschen wie er ist und reagiert spontan auf sein Gegenüber. In der Therapie ist das Pferd Beziehungspartner. Es nimmt unter Führung der Therapeutin verschiedene Rollen an, die der Befriedigung von Grundbedürfnissen dienen. Als Beispiel wäre hier die Rolle der Mutter zu nennen, die vom Pferd verkörpert, Qualitäten wie getragen werden, Wärme, Geborgenheit, angenommen sein, Zuneigung und Aufmerksamkeit erfahren und jedoch auch Grenzen gesetzt bekommen, werden durch es vermittelt. Auch die Rolle des Freundes kann es darstellen, die positive Interaktionen, wie zusammen spielen, Spaß haben, gemeinsam Aufgaben bewältigen, Geheimnisse und Probleme teilen, sich wohlfühlen, sein können, wie man ist oder für jemanden stark zu sein, beinhalten.


  • Die Therapeutin
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    Die Reittherapeutin agiert in der Therapie als Vermittlerin zwischen Pferd und Klient. Meine Aufgabe ist es die Sprache des Pferdes zu übersetzen, zu zeigen wie die Kommunikation mit ihm aussehen kann und Gefühle und Gedanken mit dem Klienten zu reflektieren. Um Sicherheit zu vermitteln, erkläre ich anfangs sehr genau wie das Kommunikationssystem eines Pferdes funktioniert. Für den Klienten bin ich eine Kontrollinstanz, die Gefahrlosigkeit garantiert. Durch meine ständige Präsenz und meine Expertenrolle kontrolliere ich die Situation und biete dem Klienten einen gesicherten Rahmen.

    Aus meiner beobachtenden Position heraus greife ich nahe liegende Fragestellungen auf und präsentiere diese dem Klienten auf verständliche Weise. Dadurch wird es möglich gemeinsam mit dem Klienten Ziele zu erkennen und zu formulieren. Aufgrund dieser Zusammenarbeit entwickelt sich eine therapeutische Beziehung zwischen dem Klient und mir, die auch Modellcharakter für andere soziale Kontakte hat.


  • Ziele Details ausblenden

    Allgemeines Therapieziel ist das selbstbestimmte Erreichen von größtmöglicher Lebensqualität, welche sich in einem hohen Maß in (wieder)erlangtem Wohlbefinden ausdrückt. Dazu gehört auch die Befähigung zu einer weitestgehend uneingeschränkten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Um diese Ziele zu erreichen ist die Förderung von bestimmten Fähigkeiten unabdingbar.

    Als Beispiele werden hier angeführt:
    – Förderung der Selbstsicherheit
    – Förderung der Kommunikationsfähigkeit
    – Förderung der Kontaktfähigkeit
    – Förderung der Selbständigkeit
    – Übernahme von Verantwortung
    – Förderung der Körperwahrnehmung
    – Förderung der Körper- und Bewegungskoordination
    – Erlangen von Konfliktfähigkeit


  • Vorgehensweise und Behandlungsablauf
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    In den ersten Sitzungen geht es vor allem um das gegenseitige Kennen lernen. Im Kontakt zum Therapiepferd und zu mir zeigen sich Verhaltensweisen des Klienten, die Rückschlüsse auf seine Potentiale und Probleme zulassen. Meine zielgerichteten Beobachtungen teile ich dem Klienten anschaulich mit, um einen therapeutischen Dialog zu initiieren. Dies ermöglicht dem Klienten seine Anliegen und Erwartungen zu formulieren. Gemeinsam werden alle Informationen gesammelt, die für den Behandlungsplan sowie –verlauf wichtig sind. Ergebnis sind mit dem Klienten formulierte Ziele, die in einem festgelegten Zeitraum erneut überprüft werden. Der Behandlungsplan wird nicht als starres Instrument begriffen, sondern neu auftauchenden Erkenntnissen angepasst. Je nach Behandlungsziel kommen nun förderliche Übungen zum Einsatz.

    Beispiele:
    – Durch Körpersprache mit dem Pferd kommunizieren
    – Gemeinsam mit dem Pferd einen Parcours absolvieren
    – Aufmerksamkeit beim Pferd erregen, Pferd streicheln
    – Selbständiges Putzen des Pferdes
    – Pferd eigenständig auf die Koppel bringen
    – Bewegungen des Pferdes ausbalancieren
    – Auf dem Pferd freihändig sitzen
    – Verhalten vom Pferd erkennen und korrigieren

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